Ich habe da mal ne kurze Frage. Es geht darum, dass ich in letzter Zeit ziemlich viel durchgemacht habe. Privat als auch beruflich. Ich selbst bin Sozialpädagoge und somit ständig mit den Problemen anderer konfrontiert. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir alles über Kopf wächst und dann trinke ich oft relativ viel bzw. kiffe. Gestern hatte ich ein Erlebnis was mich sehr stutzig machte. Ich war auf dem Weg zur Arbeit es war ca. 7:30 Uhr und ich habe auf einmal gemerkt wie ich bock auf Bier bekommen habe. Ist das schon ein Zeichen von Abhängigkeit. Leider bin ich nicht in diesem Bereich Tätigkeit und kann mir so ein schlechtes Bild machen. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Dr. Frühling:
Hallo Sega,
Du fragst, ob Dein Bedürfnis, schon am Morgen Bier trinken zu wollen, ein Zeichen von Abhängigkeit darstellt. Das können wir Dir nicht so einfach beantworten. Ob eine Person abhängig ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Lust auf psychoaktive Substanzen zu ungewöhnlichen Tageszeiten ist dabei kein eindeutiges Indiz.
Abhängigkeit wird oft mit einem Gefühl von Hilflosigkeit assoziiert - sowohl von Außenstehenden als auch von den betreffenden Personen selbst. Auch wenn wir diesen Zusammenhang nicht so absolut sehen, ist es sicher hilfreich zu wissen, wie Du Dich dahingehend einschätzt. Hast Du das Gefühl, dass Dein Konsum außer Kontrolle gerät? Dass Du nicht mehr selbst die Entscheidung über Konsum oder Nicht-Konsum triffst? Eventuell gibt es Situationen, in denen Du Deinen Konsum gut bzw. weniger gut kontrollieren kannst. Du schreibst, Du hattest Lust auf ein Bier - getrunken hast Du es ja letztlich nicht.
Nach eigenem Ermessen trinkst und kiffst Du ziemlich viel. Wahrscheinlich kannst Du selbst am Besten einschätzen, welchen Stellenwert der Konsum in Deinem Alltag einnimmt und ob Du damit zufrieden bist. Was findest Du am Konsum angenehm und was weniger? Haben sich Deine Konsumgewohnheiten in letzter Zeit geändert (häufiger, weniger, öfter alleine...) und wie schätzt Du diese Veränderung ein? Konsumierst Du einfach nur viel oder Deines Erachtens ZU viel? Und was ist der Unterschied zwischen viel Konsum und ZU viel Konsum?
Du schreibst, dass Du vor allem viel trinkst und kiffst, wenn Du das Gefühl hast, dass Dir "alles über den Kopf wächst". Womöglich ist das ein Weg, mit den privat und beruflich an Dich gestellten Anforderungen umzugehen. Motive für den Konsum könnten "abschalten", "verdrängen" oder "Problembewältigung" sein.
Eine Möglichkeit ist zu überlegen, was Dir außer dem Konsum helfen könnte, mit Deinem Stress umzugehen:
- Hast Du auf Deiner Arbeit die Möglichkeit, Dich über Deine psychische Belastung mit KollegInnen auszutauschen?
- Kannst Du professionelle Reflexionshilfe (Supervision) in Anspruch nehmen?
- Hast Du bzw. nimmst Du Dir privat Zeit, Deinen Alltagsstress zu verarbeiten?
User berichten beispielsweise, dass ihnen Beschäftigungen wie Tanzen, Yoga, Fußballspielen, Fernsehen etc. dabei helfen, Stress und Ärger rauszulassen bzw. abzuschalten.
Andererseits ist es für Dich vielleicht auch hilfreich zu überlegen, ob Du an Deiner privaten oder beruflichen Situation etwas ändern möchtest. Brauchst Du mal ne Pause? Fühlst Du Dich ausgebrannt? Hast Du das Gefühl, lieber etwas Anderes ausprobieren zu wollen? Sind Deiner Meinung nach die Anforderungen an Dich als Person und/oder als Sozialpädagoge zu hoch? Was brauchst Du von Deinem privaten und beruflichen Umfeld, damit es Dir gut geht?
Wenn es Dir gelingt, zusätzliche Möglichkeiten des Verarbeitens und des Entspannens zu finden bzw. die Ursachen für stressige Situationen zu verringern, fällt es Dir sicherlich leichter, den Konsum auf ein für Dich akzeptables Niveau einzupendeln.
Nimm Dir Zeit, um für Dich Antworten auf die hier gestellten Fragen zu finden. Vielleicht hilft Dir das dabei, herauszufinden, wo Du gerade stehst und wo es vielleicht hingehen kann.
Alles Gute für Dich!
Dein Dr.-Frühling-Team
Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre.
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.
Verfasst am: Di, 08/01/2008 - 14:13