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Schneller betrunken mit Trinkhalm?

Warum wird man stärker betrunken, wenn man bier mit einem trinkhalm zu sich nimmt?

Ben


Dr. Frühling:

Hallo Ben,

diese Frage wird oft gestellt und es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man stärker bzw. schneller betrunken wird, wenn man Alkohol mit einem Trinkhalm zu sich nimmt.

Diese Annahme wird verschieden begründet: Wer durch den Strohhalm trinkt, nimmt Alkohol schneller auf. Durch das mühsame Saugen verteilt er sich besser im Mund und man schluckt ihn nicht so schnell herunter. Dadurch bekommt der Alkohol einen besseren Kontakt zur Mundschleimhaut und wird daher bereits dort statt erst im Magen oder Dünndarm aufgenommen. Folglich soll die Alkoholkonzentration im Blut schneller steigen, man ist schneller betrunken. Zweitens: Wer durch den Strohhalm trinkt, nimmt mehr Alkohol auf. Im Magen und Darm gibt es Enzyme, die den Alkohol bereits abbauen, bevor er ins Blut gelangt. Wenn der Alkohol durch die Mundschleimhaut aufgenommen wird, kann es dagegen keinen vorzeitigen Abbau geben. Folglich müsste die Alkoholkonzentration im Blut höher sein. Das alles klingt plausibel, aber stimmt es denn auch?

Entscheidend ist, wie groß die Alkohol aufnehmende Oberfläche ist. Die Mundschleimhaut ist mit 0.02 m² zehnmal kleiner als die Magenschleimhaut (0.2 m²), und die Oberfläche des Dünndarms beträgt rund 100 m². Das bedeutet: Im Dünndarm wird der Großteil des Alkohols aufgenommen - rund 1 Gramm pro Minute. Anschließend verteilt er sich durch die Blutgefäße innerhalb weniger Minuten im gesamten Körper. Selbst wenn der Alkohol etwas länger im Mund bleibt, spielt das keine Rolle. Rein rechnerisch müsste man einen Schluck ganze 500 Minuten im Mund behalten, um 1 Gramm Alkohol zu absorbieren! (vgl. http://www.daserste.de/wwiewissen/beitrag_dyn~uid,cp7cmmcf1l1weime~cm.asp)

Die vergleichsweise geringe Bedeutung der Mundschleimhaut für die Alkoholaufnahme lässt sich auch gut am Beispiel der Weinprüfer verdeutlichen, bei denen Alkoholtests durchgeführt wurden. Weinprüfer verkosten bei ihrer Arbeit täglich mehrere Dutzend Weine, indem sie den Alkohol längere Zeit im Mund bewegen und nicht hinunter schlucken, sondern ausspucken. Bei ihnen konnten keine erhöhten Promillewerte festgestellt werden.

Fazit: Es wurde unseres Wissens in keiner Untersuchung eindeutig nachgewiesen, dass durch die Benutzung eines Strohhalms Alkohol schneller oder stärker ins Blut gelangt.

Dennoch hält sich die Vorstellung so hartnäckig und viele haben schon selbst eine entsprechende Erfahrung gemacht - warum? Wir vermuten, dass es sich um einen sogenannten Placebo-Effekt handelt, wenn sich einige trotzdem stärker betrunken fühlen, weil sie – mit dem scheinbaren Wissen um das stärkere Betrunkensein mit Strohhalm – eben genau das erwarten. Ein Rausch ist nicht reproduzierbar. Er hängt nicht nur vom Promillewert ab, sondern auch davon, wie viel Alkohol man „gewohnt“ ist und „verträgt“, vom persönlichen Empfinden und der Erwartung an den Rausch. Wenn wir gut gelaunt sind, uns in angenehmer Gesellschaft befinden und betrunken werden wollen, dann spüren wir die gleiche Menge Alkohol viel stärker, als wenn wir alleine vor dem Fernseher sitzen und eher einen ruhigen Abend verleben...

Viele Grüße,
Dein Dr.-Frühling-Team

 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.

Alter: 
21
Stadt: 
Schleswig-Holstein