Seit nun mehr eineinhalb Jahre kiffe ich ich jeden Tag im Durchschnitt 3-12 Tüten ,nun aber reichts mir das ich ein Leben führe wo mir alles scheißegal ist und deshalb wollte ich fragen ob ihr irgendwelche Vorschläge habt wie ich vom kiffen wegkommen könnte(oder mindestens viel weniger rauche)?Alles außer Entzugskliniken(möchte möglichst einen Weg nehmen der nicht mit Ärzten,Psychologen usw. zu tun hat).
Dr. Frühling:
Hallo,
auf unserer Dr. Frühling Seite haben wir schon auf viele ähnliche Anfragen geantwortet. Du findest sie unter der Kategorie „Konsum beenden, reduzieren oder verändern".
Die erste Voraussetzung für eine Einstellung des Konsums ist, die ernsthafte und ehrliche Entscheidung dazu. Mit dem setzten Deines Ziels, vom Kiffen wegzukommen oder zumindest weniger zu rauchen, ist ein wichtiger Schritt getan.
Hast Du nun den Entschluss gefasst, Deine Konsumgewohnheiten zu ändern, stellt sich die Frage: Wie? Wir empfehlen Dir dazu unter anderem unsere Informationen zur Konsumreflexion: reflexion-des-drogengebrauchs
Dieser Text kann keine ausführliche Beratung bieten, enthält aber Fragen, die Dir helfen Deinen Konsum einzuordnen und zu bewerten. So kannst Du Dich fragen, welche Funktion das Kiffen für Dich hat, warum und wann Du kiffst und welche Erwartungen Du daran hast bzw. ob diese überhaupt erfüllt werden? Und Du findest dort Tipps und Hinweise zu Zielen, Umsetzung, Konsumalternativen und Hilfemöglichkeiten.
Das Abwenden von einem längeren Dauerkonsum ist immer mit der Veränderung des Lebensalltags verbunden. Es ist von Vorteil, sich Gedanken darüber zu machen, wie man die "freie" Zeit, die man sonst mit Kiffen verbracht hat, ausfüllt und wie man die als positiv empfundenen Wirkungen des Kiffens ersetzt. Und was es statt dem „alles ist scheißegal“, wie Du es schreibst, sonst für Dich geben soll. Das ist harte Arbeit, sich fragen, was man denn früher gemacht hat, wohin es nun gehen soll im Leben und wie Du die „konsumfreie“ Zeit gestaltest. Das kann z.B. heißen, Zeit mit nicht konsumierenden oder selten konsumierenden Freund_innen zu verbringen, und sich andere Wege zur Entspannung und zur Unterhaltung zu suchen. Hier können neue oder alte, lange liegen gelassene Hobbys eine Hilfe sein.
Viele User berichten, dass ihnen sportliche Aktivitäten geholfen haben. Als besonders wirksam haben sich bspw. langsames Laufen, Yoga, Tai Ji, Qui Gong und körperliche Entspannungsübungen erwiesen, da diese Aktivitäten Bewegung sowie Entspannung beinhalten. Vereinfacht lässt sich sagen, es reicht nicht aus, nur mit dem Cannabis rauchen aufzuhören, auch etwas Neues anzufangen gehört dazu. Denn Sinn und Zweck ist es, Dir selbst und Deinem Körper, eine Alternative zum Konsum zu bieten.
Da sich THC ziemlich langsam im Körper abbaut, kann der "Entzug" bei "Dauerkiffern" bis zu drei Monate dauern. In dieser Zeit können u.a. getrübte Stimmung, Anspannung "gestresst sein" und Unkonzentriertheit auftreten. Auch ist in dieser Zeit die Rückfallgefahr am größten. Um den „Entgiftungsprozess“ zu beschleunigen kannst Du viel Wasser trinken (3-4 Liter/Tag), Vitamin C einnehmen und Sport treiben. Als psychische Unterstützung ist es sinnvoll Freund_innen und andere Menschen mit einzubeziehen, denn sie können Dich motivieren und Dir helfen „dran“ zu bleiben. Nur selten klappt es mit den großen Vorhaben auf Anhieb. Nutze „Rückfälle“, um zu schauen, was Du beim nächsten Mal besser/anders machen kannst und lass Dich durch sie nicht entmutigen.
Eine Möglichkeit niedrigschwellige Unterstützung zu erhalten ist das "Realize it" Programm. Hier unterstützt Dich ein/e Drogenberater_in per E-mail, Deine selbstgesteckten Ziele (weniger Konsum oder Abstinenz) zu erreichen. Die Selbstbeschreibung des Projekts liest sich so: "Und willst du deinen Konsum eigentlich einschränken, nur es klappt nicht so richtig? Vorsätze hast du oft, aber an der Realisierung scheitert es? Wenn es dir so oder so ähnlich geht, dann könnte das Beratungsprogramm "Realize it" für dich interessant sein." Es ist zudem kostenlos.
Nähere Infos dazu findest Du hier: www.realize-it.org/
Wenn Du das Bedürfnis hast direkt und anonym mit jemandem zu reden, kannst Du uns auch dienstags und donnerstags zwischen 13:00 und 17:00 Uhr auf unserem Drogentelefon erreichen: 0341 – 211 22 10
Alles Gute!
Dein Dr.-Frühling-Team
Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.
