DS-Pressemitteilung zu aktuellen Vorwürfen und Unterstellungen gegenüber unserem Projekt

Wir möchten uns an dieser Stelle zu einigen Vorwürfen bzw. Unterstellungen unserem Projekt gegenüber äußern und einige Dinge (er)klären:


Was macht ihr eigentlich?

In verschiedenen Print- und Onlinemedien konnten wir in letzter Zeit nachlesen, was wir angeblich alles so machen. Zur Richtigstellung hier ein paar Infos aus erster Hand: Wir sind keine Suchtberatungs- oder Behandlungsstelle, sondern ein Informations- bzw. Präventionsprojekt. Unser Anliegen ist es, Jugendliche, junge Erwachsene, aber auch Eltern, Angehörige und (andere) Multiplikator_innen (z.B. Lehrer_innen, Sozialarbeiter_innen) über Drogen, deren Inhaltsstoffe, Wirkungen, Nebenwirkungen, Risiken, riskanten Mischkonsum sowie schadensminimierende Maßnahmen aufzuklären. Wir informieren hauptsächlich über so genannte Partydrogen.

Infos zu den einzelnen Angeboten gibt es hier [Drug Store] und hier [Angebote].

Eine umfassende Aufklärung (natürlich je nach Zielgruppe und Alter) bildet die Grundlage, um sich kritisch mit den Themen "Drogen" und "Drogenkonsum" auseinander zu setzen und so einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Das heißt nicht automatisch, mit allen Drogen selbst Erfahrungen machen zu müssen. Vielmehr kann man für diese Auseinandersetzung auf wissenschaftliche Studien, Fachliteratur, verschiedene Medien und nicht zuletzt Erfahrungen von Usern zurückgreifen (Stichwort: Medienkompetenz).

Nicht alle Menschen, die legale oder illegalisierte Substanzen konsumieren, sind oder werden automatisch abhängig. Zwischen Abstinenz und Abhängigkeit gibt es eine große Bandbreite an Konsumformen. Manche Menschen brauchen keine professionelle Hilfe, da sie sozial integriert sind und mit ihrem Konsum gut zurecht kommen. Für andere Drogengebraucher_innen und abhängig Konsumierende gibt es eine breite Palette an guten unterstützenden und helfenden Angeboten in der Stadt Leipzig. Wir sind ein Teil darin.
Je nach Anliegen und Bedürfnissen der Nutzer_innen unserer Angebote vermitteln wir an andere Institutionen der Jugend- und Suchthilfe der Stadt Leipzig weiter.

Wir werden oft dafür kritisiert, dass wir auch positiven Wirkungen von Drogen in der Diskussion oder in Schilderungen von Konsument_innen Raum geben. Es gibt diese positiven Wirkungen. Sie nicht zu nennen, ist unglaubwürdig. Allerdings finden sich in unseren Informationsmaterialien und Erfahrungsberichten ebenso negative Begleiterscheinungen von Drogenkonsum.
Das wurde in der Berichterstattung der letzten Zeit gelegentlich unter den Tisch fallen gelassen.

Wer Drogen konsumiert, geht immer gewisse Risiken ein - für sich und manchmal auch für Andere.
Diese Risiken lassen sich nicht ausschalten, wohl aber reduzieren. Entscheiden sich Menschen - aus welchen Gründen auch immer - für den Konsum (legaler oder illegalisierter) psychoaktiver Substanzen, ist es wichtig, sie über risikominimierende und gesundheitsfördernde Maßnahmen aufzuklären.
Dies dient nicht nur ihrer eigenen psychischen, körperlichen und sozialen Gesundheit, sondern auch der anderer Menschen.


Verteilt ihr Spritzen?

Nein bzw. nur in Ausnahmefällen. Dennoch halten wir Spritzenausgabe bzw. Spritzentausch für ein sehr wichtiges und sinnvolles Angebot zur Schadensminimierung und Gesundheitsvorsorge.


Warnt ihr Junkies vor der Polizei?

Der Anlass, das Faltblatt "Polizeikontrolle - was tun?" im Jahr 2004 herauszugeben, war nicht, Menschen bei Raubüberfällen rechtsberatend zur Seite zu stehen. Wir rennen auch nicht durch die Stadt auf der Suche nach drogenabhängigen Menschen, denen wir dieses Faltblatt aushändigen können.
Es soll Bürger_innen, zu denen selbstverständlich auch Drogengebraucher_innen und drogenabhängige Menschen gehören, über ihre Rechte und Pflichten im Umgang mit der Polizei informieren.
Dieses Faltblatt findet übrigens nicht nur bei Drogengebraucher_innen Beachtung, sondern auch bei anderen Nutzer_innen unserer Angebote.

Wir stehen nach wie vor zu den Inhalten in diesem Infoblatt. Es ist seit 2004 auf der Seite nachlesbar, bei uns als Faltblatt zu bestellen, bei Infoständen oder in unserem Infoladen erhältlich und so wie unsere anderen Infomaterialien auch der Polizei bekannt. Seit Erscheinen ist nie jemand mit inhaltlicher oder formaler Kritik an diesem Faltblatt an uns herangetreten.
Wer das jetzt tun möchte, kann sich gern an uns wenden.

Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass das Faltblatt "Polizeikontrolle - was tun?" eines von unseren insgesamt 37 Informationsmaterialien ist. So gibt es Faltblätter zu einzelnen Drogen (bspw. Alkohol, Tabak, Cannabis, Ecstasy) und spezielle Faltblätter zu Themen, die im Zusammenhang mit Drogenkonsum relevant sein können (bspw. Erste Hilfe im Drogennotfall, Führerschein und Drogen oder Safer Hören).

Wir bekommen also mitnichten "80000 Euro im Jahr, um Junkies vor der Polizei zu warnen".
[Zitat: BILD-Leipzig, 13.05.2011]


drug scouts, 19. Mai 2011

Erscheinungsdatum: 

19.05.2011