MÜNCHEN – Jeder zehnte Rentner hängt an der Flasche, daran haben wir uns schon fast gewöhnt. Doch jetzt naht eine neue Kategorie von Suchtsenioren: die Heroinabhängigen.
Etwa 200 000 Menschen in Deutschland sind opiatabhängig, davon ist jeder fünfte über 40 Jahre alt, berichtete Dr. Thomas Poehlke, niedergelassener Psychiater aus Münster, auf dem 10. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin. Und dieser Anteil wird sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln – nicht zuletzt dank der erfolgreichen Ersatztherapien. Von den über 50-jährigen Opiatkonsumenten erhalten 70 % eine Ersatztherapie.
Aber auch wenn die Sucht damit im Griff ist, gibt es für ältere Junkies doch einige typische Probleme. Sie leiden vermehrt unter Leberinsuffizienz, Funktionsstörugnen des Gehirns, Zahnproblemen und Sturzverletzungen. Bei 78 % liegt eine begleitende psychische Störung vor. Außerdem sind sie stärker durch Rauchen, Alkohol, Mangelernährung und Bewegungsarmut beeinträchtigt. Der Gesundheitsstatus eines 50-jährigen Abhängigen lässt sich mit dem eines 70-jährigen Nicht-Süchtigen vergleichen, erklärte Dr. Poehlke. Dazu kommt meistens ein höherer Grad an Einsamkeit, sozialer Ausgrenzung und Armut.
Die Betreuung stellt eine Herausforderung dar. Man benötigt z.B. Kenntnisse über medikamentöse Wechselwirkungen mit den Ersatzpräparaten oder auch psychiatrische Maßnahmen. Gerade im letztgenannten Bereich stellen sich die Patienten oft quer, frei nach dem Motto „Ich bin doch nicht verrückt, ich nehme nur Drogen“.
Bisher fehlt eine Einbindung in geriatrische Systeme. Das Personal in Altenheimen ist häufig durch die Aufnahme von Drogenabhängigen überfordert. Daher sind gerade im Hinblick auf Wohnformen spezielle Einrichtungen erforderlich.
Quelle: MTD
