Gras + Fluoxetin = ?

Hallo,
ich nehme seit 10 Tagen das Antidepressivum Fluoxetin.
Dazu habe ich einmal die Frage, wie sich das Medikament mit Gras verträgt. Welche Folgesymtome kann das erzeugen? Und was kann schlimmsten Falls passieren?
Wie schädlich ist außerdem Fluoxetin und Alkohol? In der Packungsbeilage steht natürlich nichts zu Gras... Und zum Alkohol steht dort nur, dass man möglichst keinen Alkohol konsumieren sollte. Vielleicht könnt ihr mir da ja weiterhelfen. LG
 

Dr. Frühling:


Hallo,

gleich vorweg: Wir können Dir Deine Fragen sicher nicht ausreichend beantworten, da wir weder Ärzt_innen noch Psychiater_innen sind. Wir wollen es aber versuchen.

Fluoxetin wird für die Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen und Bulimie eingesetzt. Wir wissen nicht, zu welchem Zweck Du Fluoxetin verschrieben bekommen hast, gehen aber von der Behandlung einer Depression aus (das ist zumindest teilweise relevant für die Beantwortung Deiner Fragen).

Mit 14 Tagen Konsumdauer befindest Du Dich in der Phase des Einpendelns einer für Dich passenden Dosis. Dies ist eine ganz schöne Herausforderung für Deinen Körper. In dieser Phase andere Substanzen wie Cannabis oder Alkohol zu konsumieren, ist keinesfalls zu empfehlen.

Ein anderer Aspekt ist in der Anfangszeit relevant: "Charakteristisch für die Wirkung von Fluoxetin ist, dass es nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch aktivierend auf den Patienten wirkt. Die aktivierende Wirkung setzt bereits zeitnah nach der Einnahme ein, die antidepressive Wirkung entfaltet sich aber erst nach etwa zwei bis drei Wochen voll. Dadurch birgt die Einnahme von Fluoxetin, ebenso wie von anderen Wirkstoffen der SSRI-Klasse wie Citalopram, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin eine weiteres Risiko: Vor allem in den ersten Wochen wird vor einer erhöhten Suizidgefährdung gewarnt. Als besonders stark gefährdet gelten junge Erwachsene. Experten empfehlen, dass Patienten ihre Stimmungen und Empfindungen selber kontrollieren, aber auch vom behandelnden Arzt sowie Verwandten oder Bekannten streng beobachtet werden." (http://www.gesundheit.de/medizin/medikamente/wirkstoffe/fluoxetin)

Zu eventuellen Wechselwirkungen von Fluoxetin und Cannabis:
Laut Franjo Grotenhermen kann THC den Effekt von Fluoxetin verstärken (leicht gehobene Grundstimmung, gesteigerter Antrieb; vgl. http://www.cannabis-med.org/index.php?tpl=faq&id=111&lng=de). Dies wird auch als Hypomanie bezeichnet (siehe auch
http://www.pharmacydrugguide.com/Marijuana_and_Prozac
(Infos in englischer Sprache). Solange Du Dich noch in der Phase befindest, in der Fluoxetin zwar antriebssteigernd, aber noch nicht antidepressiv wirkt, würde sich bei Dir nur die Antriebssteigerung verstärken, aber keine gehobene Stimmung eintreten. Es ist denkbar, dass Du zwar eine Wirkung vom Cannabis verspürst, dabei aber sehr hibbelig wirst und eventuelle unangenehme Nebeneffekte der Cannabiswirkung stärker wahrnimmst. Wenn Du dabei Cannabissorten mit hohem THC-Anteil konsumierst, könnten eventuell auch die halluzinogenen Wirkanteile der Cannabiswirkung in den Vordergrund treten und ein unangenehmes Wirkungsbild erzeugen.

Hier findest Du ein paar Erfahrungsberichte von jungen Menschen, die Fluoxetin (z.T. ohne Verschreibung) und Cannabis zusammen konsumiert haben. Diese sind (leider) auf Englisch, beschreiben aber ganz gut die eben genannten negativen Effekte:
http://www.erowid.org/experiences/exp.php?ID=75596

http://www.erowid.org/experiences/exp.php?ID=10586
http://www.erowid.org/experiences/exp.php?ID=78469


Zu eventuellen Wechselwirkungen von Fluoxetin und Alkohol:
Es wird von Alkoholkonsum während einer Fluoxetineinnahme abgeraten, denn beide Substanzen sind zentral wirksam, d.h. sie wirken direkt im Gehirn und können sich wechselseitig in ihrer Wirkung verstärken. Laut Fachinformation zu Fluoxetin kam es in verschiedenen Untersuchungen zwar nicht zu einem erhöhten Alkoholspiegel im Blut bei Fluoxetineinnahme und auch nicht zu einer verstärkten Alkoholwirkung. Allerdings lassen sich in verschiedenen Foren Einträge finden, in denen von einer Alkoholunverträglichkeit berichtet wird (z.B. nach Alkoholkonsum umkippen statt wie vorher ohne Fluoxetin nur beschwipst zu sein). Es gibt auch Berichte über verstärkte Fluoxetin- und Alkoholwirkungen. 
Hier ein Beispiel: "Gefährlich wird dieses Medikament in Verbindung mit Alkohol. Alkohol und Fluoxetin verstärken sich gegenseitig und so werde ich durch Alkohol zwar euphorisch und völlig losgelöst aber auch wahnsinnig schnell betrunken was sehr schnell ziemlich umschlagen kann. Auch haben sich die anfänglichen Nebenwirkungen erneut sehr deutlich gezeigt. Zuviel Alkohol bedeutet für den nächsten Tag: Angstzustände, Verwirrtheit, Depersonalisierungsgefühle, Haarausfall etc... Alkohol sollte man eigentlich nicht während der Behandlung trinken, in Maßen hat es mir mein Arzt allerdings zugestanden, allerdings ist dieses Maß mit Fluoxetin sehr sehr sehr niedrig angesetzt."
http://www.sanego.de/Fluoxetin-und-Antriebsst%C3%B6rungen

Was Dir im schlimmsten Fall passieren kann, wissen wir nicht. Wir raten Dir von Mischkonsum aber schon allein deshalb ab, weil Du Dich gerade in der Anfangsphase der Fluoxetineinnahme erst einmal an die Wirkung und den Alltag mit Fluoxetin gewöhnen musst. Vielen Menschen geht es in dieser Phase nicht besonders gut. Sie werden durch die Antriebssteigerung und die vorerst fehlende antidepressive Wirkung unruhig und ungeduldig bis leicht aggressiv. Wie oben schon beschrieben kann das nicht nur unangenehm sein, sondern auch eine enorme psychische Belastung bedeuten. Überleg Dir deshalb gut, ob Du das Risiko eingehen willst, die weniger angenehmen Wirkeffekte von Fluoxetin durch zusätzlichen Substanzkonsum noch zu verstärken.

Alles Gute,
Dein Dr.-Frühling-Team

 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.