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MDMA - Intensivstation und psychische Abhängigkeit

MDMA - Intensivstation und psychische Abhängigkeit

Liebes Dr. Frühling- Team, 

vor einiger Zeit hatte ich leider eine durch eine Überdosis und zu viel Wasser ausgelöste Hyponatriämie. Ich wollte an diesem Abend bewusst "mehr" konsumieren- es waren über den Abend verteilt 250 mg MDMA (1,5 Pillen, über die Pillenwarnungen auf mdma Gehalt überprüft und von einer vertrauenswürdigen Person. Die gleichen Pillen hatte ich in niedriger Dosis schon vorher, Freunde von mir auch, und da war alles gut.)

Hätte ich ahnen können, dass diese Dosis so gefährlich für mich ist, und ich nach einem Krampf auf der Intensivstation lande und verwirrt bin, hätte ich niemals eine so hohe Dosis eingenommen . Ich war mir im Klaren, dass diese Dosis kein safer Use ist, nach meinen Recherchen aber eigentlich auch keine Gefahr für Leib und Leben. Da ich an diesem Abend auch noch meine Tage bekam (was ja im Verdacht steht, durch den erhöhten östrogenspiegel den Konsum für Frauen gefährlicher zu machen), gehe ich davon aus, dass viele unglückliche Zufälle dazu geführt haben, dass ich letztendlich im kh gelandet bin. 

Momentan steht mir zwar nicht unmittelbar der Sinn danach, direkt wieder Emma zu nehmen, allerdings kann und möchte ich mdma nicht verteufeln. Ich habe sonst immer sehr niedrige Dosen genommen (meist ne viertel oder eine halbe für den ganzen Abend) und bis auf wenige Ausnahmen immer abstände von mindestens 6 Wochen eingehalten. Habe mich also vernünftig verhalten und immer gute Erfahrungen gemacht. Viel über mich und meine Psyche gelernt. Bin offener geworden.

Ich kann mir deshalb ehrlich gesagt jetzt schon wieder vorstellen, auf einem kommenden Open air wieder eine kleine Dosis zu nehmen. Es ist jetzt erst 2,5 Monate her und ich bin nicht komplett abgeschreckt vor erneutem Konsum...

nun meine Frage: ist dies bereits eine psychische Abhängigkeit, dass ich trotz dieser lebebsbedrohlichen Erfahrung wieder an den Konsum denke? Oder ist es legitim, es mit noch größerem Respekt wieder zu nehmen, da es ein unglücklucher Unfall war? 

Ich bin der festen Überzeugung, dass der Mensch sich von Zeit zu Zeit berauschen möchte. 

Über Tipps von euch wäre ich sehr dankbar! 


Dr.-Frühling-Team:

Hallo,

Du machst Dir Gedanken, dass bei Dir bereits eine psychische Abhängigkeit von MDMA bestehen könnte, weil du Dir vorstellen kannst, wieder Ecstasy / MDMA zu konsumieren, obwohl du nach einer Überdosis im Krankenhaus gelandet bist. Du beschreibst, dass der "Vorfall" erst knapp zwei Monate her ist und fragst Dich, ob es okay ist, schon nach kurzer Zeit wieder über einen möglichen Konsum nachzudenken.

Uns fällt auf, dass Du Dir sehr viele Gedanken zu Deinem Konsum machst - das ist super! Deinen Beschreibungen nach scheinst Du sehr reflektiert darüber nachzudenken, was passiert ist. Es scheint so, als würdest Du Dich gut über Deinen Substanzkonsum informieren und Dich mit Risiken, Dosierungen, Safer Use usw. auseinandersetzen. Auch zu der Pille, mit der Du Dich überdosiert hast, scheinst Du Dir vorher Informationen über den Wirkstoffgehalt eingeholt zu haben. Du schreibst jedoch selbst, dass Du die Pillen, die Du bereits zu einem früheren Zeitpunkt konsumiert hast, sonst niedriger dosiert hast und Du Dich an diesem Abend bewusst dafür entschieden hast, eine höhere Dosis einzunehmen.

Wie Du selbst erfahren musstest, ist es doch nicht so ungefährlich, sich bewusst mit MDMA überzudosieren. Das sogenannte Serotoninsyndrom ist eine ernstzunehmende Komplikation, die unter anderem auch bei einer Überdosierung von MDMA auftreten kann. Wie Du vielleicht weißt, ist Serotonin eines der Botenstoffe, welcher bei dem Konsum von MDMA vermehrt ausgeschüttet wird. Weiterhin hemmt MDMA die Serotonin-Wiederaufnahme, d.h., Serotonin wird weniger schnell "abgebaut". Dadurch kommt es zu einem hohen Serotoninspiegel im Synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen. Bei einer Überdosierung kann es dann eben passieren, dass der Serotoninspiegel noch höher ist als bei dem Konsum von MDMA sowieso schon. Dadurch können verschiedene, teilweise lebensgefährliche Symptome auftreten, wie z.B. Fieber, Schwitzen, Unruhe, Verwirrtheit, Bluthochdruck, erhöhter Puls, Erbrechen, Halluzinationen, eingeschränkte Funktionsfähigkeit der Niere oder der Leber, Muskelzuckungen oder eben auch Krampfanfälle, von denen Du berichtest. Warum genau das Serotoninsyndrom tödlich enden kann, ist unklar. Man geht davon aus, dass die gesamten, aber auch einzelne Symptome zum Tod führen können. Ob es in Deinem Fall schon ein Serotoninsydrom war oder Du nur kurz davor warst, können wir jetzt zwar nicht mehr ermitteln, aber es könnte möglich sein, dass es bei Dir in diese Richtung ging.

Du schreibst, dass Du wegen der Überdosis und einer Hyponatriämie ins Krankenhaus gekommen bist. Vielleicht wurdest Du ja im Krankenhaus schon aufgeklärt, was es damit auf sich hat. Gern wollen wir Dir jedoch nochmal erklären, warum zu viel Flüssigkeit ebenso lebensbedrohlich werden kann wie zu wenig. Wenn Du an einem Abend, an dem Du MDMA konsumierst sehr(!) viel Flüssigkeit zu Dir nimmst und Dein Harndrang unterdrückt wird, kann dies zu einer Hyponatriämie führen. Das bedeutet, dass Du zu wenig Salz im Blut hast, was zu erhöhtem Hirndruck führen kann. Wenn der Hirndruck enorm ansteigt, kann das lebensbedrohlich sein. Natürlich ist es dennoch wichtig zu trinken, denn zu wenig Flüssigkeit kann wiederum zu Dehydrierung, also Austrocknung, führen. Als Faustregel für die Flüssigkeitszufuhr während eines MDMA-Rausches gilt ca. 0,5 Liter Wasser pro Stunde.

Du vermutest weiterhin, dass Deine Menstruation eventuell ein weiterer "Mitverursacher" für Deinen Absturz gewesen sein könnte. Tatsächlich kann es sein, dass sich die Östrogen- und Progesteron-Werte, welche sich bei menstruierenden Frauen verändern, Einfluss auf das Neurotransmittersystem, also auch auf ein potentielles Serotonin-Syndrom haben und Du somit empfindlicher auf Amphetamine (bzw. in Deinem Fall auf Amphetamin-Derivate) reagierst. 100%ig können wir Dir aber nicht sagen, ob es tatsächlich mit ursächlich für Deinen Krankenhausaufenthalt ist. Leider ist die Forschung zu diesem Thema sehr begrenzt. Solltest Du Dich noch mehr für dieses Thema interessieren, schau doch mal auf:
https://www.vice.com/de/article/warum-mdma-fuer-frauen-gefaehrlicher-und-toedlicher-sein-koennte-462.
Auf dieser Seite findet du einige Verlinkungen zu Studien, die zu genau dieser Thematik durchgeführt wurden. Wir können Dir leider keine Garantie für die Seriosität dieses Artikels geben. Interessant und aufschlussreich ist er dennoch allemal.

Du möchtest weiterhin wissen, ob bei Dir schon eine psychische Abhängigkeit besteht, da Du wieder den Wunsch verspürst, in absehbarer Zeit MDMA zu konsumieren. Vorab sei gesagt, dass je nach Dosis und Häufigkeit des Konsums die Entwicklung einer psychischen Abhängigkeit bei (fast) allen Substanzen möglich ist. Hier eine Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für psychische Abhängigkeit: "Psychische Abhängigkeit ist ein Bedürfnis bis hin zu einem zwanghaften Drang oder Verlangen nach periodischem oder dauerndem Konsum der Droge, um ein Lustgefühl zu erlangen und/oder ein Unlustgefühl zu vermeiden" (z.B.: https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/abhaengigkeit-physische-und-psychische/37)
Du solltest wissen, dass der alleinige Gedanke an den Konsum noch kein Anzeichen für eine psychische Abhängigkeit ist. Wenn Du jedoch das Gefühl hast, dass die Substanz Deinen Alltag bestimmt oder Du dein Konsumverhalten selbst hinterfragen/reflektieren möchtest, schau Dir gern folgenden Link von uns an: /de/page/reflexion-des-drogengebrauchs.
Dort findest du Fragen, die Dir dabei helfen können, Deinen Konsum einzuschätzen und zu bewerten.

Wie oben schon beschrieben, bewirkt der Konsum von MDMA eine erhöhte Ausschüttung von Serotonin, aber auch von anderen körpereigenen Botenstoffen, wie z.B. Noradrenalin und in geringem Maße Dopamin. Die positive Wirkung, die durch den Konsum eintreten kann, wie z.B. Steigerung der Kontaktfreudigkeit, Offenheit, Gefühl von Harmonie, Loslösen von Ängsten, Ausgeglichenheit, erhöhtes Einfühlungsvermögen usw., ebbt jedoch irgendwann nach dem Rausch wieder ab. Nach Abklingen der Wirkung können gegensätzliche Effekte, wie depressive Verstimmung, Unkonzentriertheit, Gereiztheit auftreten ("Ecstasy-Kater"). Wenn aufgrund von häufigem Konsum (also einmal im Monat oder häufiger) kein oder nur wenig Serotonin vorhanden ist, kann auch keins oder nur wenig ausgeschüttet werden und die erhoffte Wirkung bleibt aus bzw. wirkt die Substanz stark abgeschwächt. Um überhaupt was zu merken, benötigt man an einem Abend mehr MDMA für die gleiche Wirkung, die man evtl. einige Wochen davor hatte. Auch wenn Du dann das Gefühl hast, es wirkt gar nicht, kommt es ja trotzdem zu einem Anstieg des Blutdrucks, des Herzschlags und der Körpertemperatur, was problematisch werden kann. Es ist also wirklich wichtig, die geplanten Pausen auch einzuhalten.


Du hast mehrmals erwähnt, dass Du überlegst wieder zu konsumieren. Du solltest wissen, dass die Erfahrungen bzw. Erinnerungen, die Du in dieser Nacht gemacht bzw. erlebt hast, beim nächsten MDMA-Rausch wieder hochkommen können, denn besonders unangenehme Bewusstseinszustände während eines Trips können bewirken, dass diese sogenannten "Flashbacks" auch Wochen oder Monate später wieder auftreten. Es ist auch schwierig zu sagen, ob und wie lange so etwas nachwirken kann. Das hängt ganz davon ab, wie Du diese Erfahrung verarbeitest. Es kann jedoch sein, dass sich durch diese Bewusstseinszustände Ängste im Bewusstsein festsetzen und diese auch nicht so schnell wieder verschwinden. Wenn Dich interessiert, was andere Konsument_innen für Fragen zu diesem Thema gestellt haben, schau Dir gern unsere Tipps und Antworten auf unserer Seite in der Dr.Frühling-Kategorie "Psyche" an.


Alles Gute
Dein Dr.-Frühling-Team

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre.
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.

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