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One Hit Wonder - akute Psychose durch Cannabiskonsum?

One Hit Wonder - akute Psychose durch Cannabiskonsum?


Hallo Doc, meine Freundin und ich haben uns nach längerer Zeit Mal wieder dazu entschlossen, entspannt zu Hause einen Joint zu rauchen. Sie hat relativ wenig Erfahrung, vor besagtem Joint war sie bisher zwei Mal High ( keine Horrortrips aber auch nicht wirklich angenehm für sie). Nach ihrem ersten und einzigen zug bekam sie einen Hustenanfall, da sie eine Nichtraucherin ist dachte ich mir nichts dabei, doch sie hörte und hörte nicht auf zu Husten, anschließend meinte sie sie bekommt keine Luft mehr. Jetzt dämmerte mir ( zu diesem Zeitpunkt High), das sie schon auf ihrem Trip ist. Es ging weiter das sie glaubte zu spüren wie ihr Herz aufhört zu schlagen und das sie teilweise mehrmals die Minute einfach weggekippt ist, also richtig bewusstlos geworden ist, die Länge war immer unterschiedlich aber es dauere nie länger als 30 Sekundend bis sie wieder aufgewacht ist. Ich High und voller Panik hab angefangen ihren Puls zu messen, ihren Atem zu checken aber sie ist immer wieder nach kurzer Zeit wieder zu sich gekommen. Anschließend hat sich ihr Trip etwas eingependelt sie hatte längere Phasen in denen sie wach war, daher redete ich auf sie ein das sich alles nur in ihrem Kopf abspielt und sie nur durchalten müsse bis es vorbei sei, ich habe sie unter die Dusche gestellt in der Hoffnung ich könnte sie so irgendwie von ihrem Trip holen. Als ich sie danach ins Bett gelegt habe fing sie an sich plötzlich zu krampfen, mehrmals habe ich versucht ihre Muskeln zu entspannen aber sie hat wieder und wieder gekrampft ( dauer ca 30 Sekunden). Während des ganzen Prozesses ist sie teilweise mitten im Satz einfach weggekippt. Ich war mehrere Male schon davor den Notruf zu wählen, als ich sie irgendwie aus ihrem Trip holen konnte. Sie war immernoch High allerdings nicht mehr auf einem Horrortrip oder wie man das auch nennen will. In der zweiten Phase hatte sie die ganz gewöhnlichen Symptome des Cannabis Konsums, sie hat sich wohlgefühlt alles intensiver wahrgenommen und auch einen kleinen fress flash bekommen. Auch hier ist sie ab und an weggekippt, allerdings nicht so häufig, was jedoch anders war ist das sie in immer wieder anderen "Welten" (sie selbst hat während des Trips von Welten geredet) aufgewacht ist, das heißt ihr Verhalten, ihr Charakter hat sich von Welt zu Welt verändert. Das mit den Welten ist bei ihr in einem vorherigen Trip schon einmal vorgekommen, allerdings nicht so Charakter verändernd wie es sich hier abgezeichnet hat. Es gab verschiedene Welten, in der einen hat sie über alles gelacht, in der anderen war sie sehr emotional, sprich Liebesbekenntnisse, in einer anderen sehr sexuell erregt und in der letzten war sie relativ klar, soweit es in ihrer Situation möglich war. Die Welten hat sie meistens durch das wegkippen gewechselt, sie ist in der einen bewusstlos geworden und in der anderen aufgewacht. Was außerdem auffällig war, das sie gerade zu Beginn des schöneren Trips immer Mal wieder in den Horrortrip abgedriftet ist, z.B. wenn ich Mal eine Sekunde den Raum verlassen habe um etwas zu trinken zu holen, ist sie weggekippt, aber solange ich in ihrer Nähe war und mit ihr geredet habe war alles einigermaßen in Ordnung. Ungefähr fünf Stunden nachdem wir den Joint geraucht hatten sind wir schlafen gegangen. Am nächsten morgen schien zunächst alles bestens zu sein die Wirkung verflogen, wir waren bereit den nächsten Tag anzutreten, innerhalb von Minuten veränderte sich ihr Zustand, sie sprach davon dass der Nebel zurück kommt. Kurze Zeit später kippte sie auch schon das erste Mal weg, ich brachte sie abermals unter die Dusche aber auch diesmal half es nichts. Sie kippte abermals weg aber in den Phasen dazwischen war sie viel klarer als am Abend davor dennoch hat man an ihren Pupillen gesehen das sie noch High war. Der Tag plätscherte so vor sich hin, irgendwann könnte sie schließlich einschlafen, sie schlief ca 2-3 Stunden. Als sie aufwachte schien wieder alles gut zu sein doch das änderte sich innerhalb weniger Minuten, erneut habe ich sie unter die Dusche gestellt, jedoch war das alles andere als hilfreich da sie anschließend zweimal länger weggekippt ist. Dennoch könnte man Bemerken das sie präsenter war, sie ist seltener weggekippt, es ging ihr schon wesentlich besser, dachte ich. Von der einen auf die andere Sekunde sollte ich sie nicht mehr anfassen, sie bekam Heulkrämpfe als ich es tat und im nächsten Moment sagte sie mir wie sehr sie mich lieben würde. Das ganze Prozedere wiederholte sich einige Male. Sie war sich dessen bewusst und meinte das sie an nichts böses denken dürfe sonst fällt sie wieder in das Loch. Jetzt fast 48 Stunden nach dem Joint hat sie immer noch leichte Schwäche Anfälle aber es wird langsam besser. Sollte sie ins Krankenhaus? Wie lange ist dieser Zustand "normal", ab wann sollte ich mir Sorgen machen? Ich habe so etwas noch nie erlebt daher bat ich eine Freunde zur Hilfe, diese konnten mir zwar sagen das die anhaltende Wirkung, gerade bei relativ unerfahren Konsumenten hin und wieder Auftritt, aber beim wegkippen, verkrampfen könnten sie mir auch nicht weiter Helfen. Daher wende ich mich jetzt an sie. Was hat der ganze Trip zu Bedeuten, was sagt er aus ? Ab wann muss ich den Krankenwagen rufen? Habe ich richtig gehandelt oder sie in Gefahr gebracht? Im Internet las ich über den Zusammenhang von kiffen und Schizophrenie, könnte das hier der Fall sein? ( Soweit sie weiß keinerlei Fälle in der Familie) Falls ja wie soll weiter vorgegangen werden? Mir ist bewusst das jeder Mensch anders auf Cannabis reagiert, aber das man einen derartige Wirkung mit nur einem zug erreichen kann, ist erschreckend und faszinierend zugleich. Was sagt das über meine Freundin aus das es bei ihr so gewirkt hat? (das Gras hat bei mir ganz normal gewirkt und da ich es beim Kauf mit anderen auch schon probiert habe, gehe ich davon aus das hier nichts gestreckt worden ist.) Sie war so sexuell erregt dazu das sie einen dreistündigen andauernden Orgasmus hatte. Passiert sowas häufiger? Was sagt das aus? Ist es normal diese extreme zu haben? Von Todesangst zu absoluter Ekstase. Habe bisher vorwiegend von reinen Horrortrips gehört. Wir haben beschlossen das sie nie wieder kiffen wird, ich würde sie nach diesen Vorfall auch nie wieder lassen. Aber falls ich dennoch so etwas in der Art noch Mal mitbekommen sollte , ist warten bis der Trip vorbei ist wirklich das einzige oder kann man da noch irgendwas machen? Ich weiß es ist viel und ich bin froh das ich auf ihre Internetseite gestoßen bin, wo man eine seriöse Antwort bekommt. Ich habe so etwas noch nie erlebt und will es auch nie wieder erleben aber dennoch haben sich so viele Fragen aufgetan die sie hoffentlich beantworten können. Mit freundlichen Grüßen E&T


Dr.-Frühling-Team:

Hallo,

wir brauchen für die Beantwortung von schriftlichen Anfragen in der Regel 1 bis 2 Wochen, da immer mehrere von uns zusammen an einer Antwort arbeiten, damit möglichst alles drin steht was es wichtiges dazu zu schreiben gibt. Auch müssen wir oft zu einzelnen Aspekten von Anfragen erstmal recherchieren und/oder Fachleute kontaktieren, die uns bei der Beantwortung helfen. Und wir beantworten ja auch immer mehrere Anfragen gleichzeitig, die auch sehr umfangreich sein können.

Wichtig ist jedoch: Wenn es Deiner Freundin akut schlecht geht, sich dieser Zustand nicht deutlich gebessert oder sogar noch verschlechtert hat, kann es das Beste sein, wenn sie sich in psychiatrische Behandlung begibt. Was sie da hat könnte ein (drogeninduzierter) psychotischer Zustand sein. Wenn der unbehandelt ausgelebt wird, kann es passieren, dass sie damit länger zu tun hat und die Symptome stärker und häufiger werden. Sprich: In psychiatrischer Behandlung könnte es sein, dass das Ganze nach kurzer Zeit vorbei ist, ohne diese Behandlung könnte es evtl. Wochen bis Monate dauern, bis das alles nachlässt. Das sind natürlich Vermutungen, aber wir erleben sowas häufiger oder hören davon.

Kurzfristigere Antworten/Tipps zu Deinen Fragen, als bei schriftlichen Anfragen an das Dr.-Frühling-Team möglich, kannst Du bekommen, wenn Du uns auf dem Drogentelefon anrufst: 0341 - 211 20 22 (erreichbar dienstags von 09 bis 13 Uhr und donnerstags von 15 bis 19 Uhr, außer an Feiertagen).

Diese Antwort von uns hier nur schon mal vorab. Wir werden Dir ausführlich antworten und unsere Antwort hier veröffentlichen, aber das dauert bei uns halt ne Weile.

Alles Gute
Dein Dr.-Frühling-Team


Die versprochene Ergänzung zu unserer Antwort:

Hallo,

vielen Dank für Dein Vertrauen und Deine Anfrage. Das klingt nach einer krassen Drogenerfahrung und nach einem der schlimmsten Horrortrips, von denen wir nach reinem Cannabiskonsum bisher gehört haben. Es ist absolut verständlich, dass Deine Freundin Angst bekommt und ihr beide euch Sorgen macht. Derartige psychische Ausnahmesituationen sind während eines Rausches mit vielen psychoaktiven Substanzen durchaus möglich, auch bei einem Cannabisrausch, in der Regel jedoch nicht mit einer so starken und umfassenden Symptomatik.

In psychischen Ausnahmesituationen, in denen Menschen nicht mehr ausreichend für sich selbst sorgen können, bspw. Angst- und Panikattacken haben, das Ganze sehr unangenehm für sie ist, sie zwischen unterschiedlichen Phasen immer wieder hin und her springen und/oder diese Zustände länger anhalten, kann es eine gute Idee sein, den Notarzt / die Notärztin hinzu zu ziehen. Diese können, falls nötig, bewusstseinseinschränkende Medikamente (Neuroleptika) verabreichen, die akute (drogen)psychotische Zustände vorübergehend beenden, damit man nicht noch tiefer in sie "hineinfällt". Insofern ist das Rufen eines Krankenwagens durchaus eine gute Idee, spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem man sich als kümmernde Person nicht mehr sicher ist, ob man das gerade noch gut über die Bühne bekommt oder ob es ärztlicher Hilfe bedarf.

Als Grundsatz gilt hier: Sicher ist sicher! Sobald der Gedanke aufkommt, es könnte eine gute Idee sein, den Notruf zu wählen, sollte man dies auch tun. Wenn die Situation für einen selbst unklar ist, kann die Person, die den Notruf entgegen nimmt vielleicht eine bessere Einschätzung abgeben.

Wenn es bei Deiner Freundin zu derart starken psychischen und körperlichen Symptomen gekommen ist, wie Du sie hier beschreibst, wird sie wahrscheinlich eine Veranlagung dazu im psychischen Bereich haben. Erkrankungen des sogenannten schizoiden Formenkreises können durch Cannabiskonsum begünstigt oder ausgelöst werden. In der Regel passiert dies nur bei Menschen, die zu schizophrenen Erkrankungen neigen. Ob man dazu neigt, weiß man halt aber erst, wenn zum ersten Mal etwas Derartiges ausgelöst wurde. Außerdem könnten einige der körperlichen Symtpome auf eventuelle Krankheiten oder andere Veranlagungen hinweisen, z.B. auf eine Neigung zu Krampfanfällen, auf niedrigen Blutdruck oder Diabetes.

All das können wir aus der Ferne nicht einschätzen, denn wir sind keine Mediziner*innen. Insofern empfehlen wir dringend, dass sie sich nach diesen Erlebnissen mal ärztlich durchchecken lässt. Auch psychologische oder psychiatrische Beratung könnte hilfreich sein.
Dass Gefühle und Wahrnehmungen einer besonders starken Rauscherfahrung in der Zeit danach immer mal wieder auftreten, erleben viele Menschen, ist also relativ "normal". Vor allem nach sehr starken oder unangenehmen, halluzinogenen Rauscherfahrungen können diese sogenannten "Flashbacks" häufig und intensiv auftreten. Näheres dazu haben wir neulich erst wieder in einer anderen Antwort beschrieben. Auch wenn es dabei um andere Substanzen ging, gelten die Angaben bzgl. der psychischen Seite hier genauso. Du kannst sie hier nachlesen:http://drugscouts.de/de/drfruehling/verarbeitung-horrortrip%C3%BCberdosis

Sollten die Symptome aber andauernd, sehr häufig und sehr intensiv auftreten, könnte sich das Ganze durch ein zu langes "Aushalten und Abwarten" jedoch zu einer ernsthaften psychischen Erkrankung entwickeln. Wie wir bereits in der ersten kurzen Antwort schon betont haben - Wir empfehlen also in jedem Fall eine*n Psychiater*in aufzusuchen, sollte sich nun, in den Wochen danach ihr Zustand nicht verändern oder sollten manche Symptome und Zustände immer wieder erneut, einzeln auftreten.
Bei dem bereits erwähnten Hin-und-Her-Springen zwischen verschiedenen Phasen kann auch ein Springen in orgasmusähnliche Zustände dabei sein. Dass ein solcher Zustand unter Einwirkung von Cannabis jedoch drei Stunden andauert, haben wir bisher noch nicht gehört. Auch hierfür könnt Ihr die Gründe wahrscheinlich am ehesten mit einem Psychiater* / einer Psychiaterin* oder einer Psychologin* / einem Psychologen* herausfinden.

Am wichtigsten ist jedoch, dass Deine Freundin mit den Erlebnissen und den Zuständen, in denen sie sich momentan befindet, nicht alleine bleibt. Ihr vertraute Menschen, die ihr helfen, sie womöglich schützen und beruhigen können, wenn die Symptome wieder stärker "hochkommen", sind für sie zunächst wahrscheinlich die beste Begleitung.

So wie Du die Situation beschreibst, hast Du diese Rolle bei dem Vorfall sehr sorgsam ausgefüllt, bist aber teilweise auch (fast) an Deine Grenzen gestoßen. Zunächst also ein großes Lob an Dich, dass Du die Situation mit Deiner Freundin so durchgestanden hast und ihr auch jetzt danach noch beistehst und Dich um sie sorgst. Wichtig dabei ist aber auch, Deine eigenen Grenzen diesbezüglich wahr- und ernst zu nehmen. Falls Du mit der Situation alleine überfordert bist, hol Dir Hilfe - entweder von anderen, Dir oder ihr vertrauten Personen oder ggf. auch von professioneller Seite. Jede Drogenberatungsstelle ist nicht nur eine Anlaufstelle für Drogenkonsument*innen, sie berät auch Angehörige und Freund*innen. Falls Du das Erlebte also nochmal mit professioneller Unterstützung nachbesprechen und Dir eventuell noch mehr Tips für die Zukunft holen möchtest, scheu Dich nicht eine Beratungsstelle Deiner Wahl zu kontaktieren.
Auch wenn das Ganze bei Deiner Freundin mittlerweile vorbei sein sollte, kann es sein, dass es in stressigen oder anstrengenden Situationen wieder zu solchen Symptomen kommt. Die Chance auf eine ähnliche Rauscherfahrung dürfte sehr hoch sein, wenn sie wieder Cannabis oder auch andere Drogen konsumieren sollte. Insofern empfehlen wir ihr grundsätzlich vorsichtig und achtsam mit sich selbst umzugehen, dabei aber die eigenen psychischen Erscheinungen auch nicht übermäßig zu problematisieren, weil sie sie dadurch verstärken kann (siehe verlinkte Anfrage oben). Gar nicht mehr zu kiffen, klingt für uns in einem solchen Fall jedoch nach einer sehr guten Idee, denn das könnte u.U. sonst einiges noch schlimmer machen.

Wir hoffen es geht ihr und Euch mittlerweile besser und wünschen Euch alles Gute. Ruft uns gern auch mal auf dem Drogentelefon an, denn es ist genau dazu da, solche Geschichten und Probleme zu besprechen.

Schöne Grüße
Euer Dr.-Frühling-Team

 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.

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