Wie gefährlich ist der orale Konsum von Heroin?
Wie gefährlich ist der orale Konsum von Heroin?
Hallo, ich habe einen Bekannten, der immer wieder Heroin mit einem hohen Reinheitsgrad aus dem Darknet bestellt und dieses oral nimmt. Er sagt Heroin oral zu konsumieren sei ungefährlich, wegen dem First pass Effekt, durch welchen einiges von der Leber abgebaut wird, bevor es wirkt. Ich mache mir aber trotzdem Sorgen und würde gerne wissen, wie hoch die tödliche Dosis Heroin ist, wenn man es oral einmal alle paar Wochen nimmt.
Mit freundlichen Grüßen
Dr.-Frühling-Team:
Hallo,
vielen Dank für Deine Anfrage. Der orale Konsum von Heroin ist eher selten, da die Wirkung bei dieser Konsumform sehr langsam kommt und viel weniger intensiv ist. Es gibt jedoch durchaus Menschen, die diese Konsumform wählen, weil sie um einiges weniger risikoreich ist als nasaler Konsum (Sniefen), inhalativer Konsum (Rauchen) oder intravenöser Konsum (Spritzen).
Beim oralen Konsum wird der gesamte Wirkstoff über den Darm ins Blut aufgenommen. Vom Darm aus läuft das gesamte Blut immer zuerst durch die Leber, die das Blut "reinigt" und "entgiftet" und erst dann fließt es über das Herz in den restlichen Körper. Das ist ein Schutzmechanismus des Körpers, allgemein bei Säugetieren, der Giftstoffe aus der Nahrung filtern soll.
Durch diesen Schutzmechanismus kommt es zum besagten "First-Pass-Effekt" bei oral eingenommenen Medikamenten und Drogen. Die Leber filtert neben Giftstoffen auch von den meisten dieser Substanzen immer erst ein bisschen weg, nur der Rest gelangt mit dem Blut in den restlichen Körper und kann dann wirken. Heroin ist wie die meisten Opioide dafür bekannt, dass der First-Pass-Effekt bei diesen Substanzen sehr stark ist, also besonders viel des Wirkstoffs von der Leber herausgefiltert wird, weshalb auch von so wenigen Menschen Heroin oral konsumiert wird, weil dies sehr teuer ist und als "Verschwendung" wahrgenommen wird.
Überdosis und tödliche Dosis gibt es jedoch auch beim oralen Konsum von Heroin und sie liegen im Prinzip gleich hoch, wie bei allen anderen Konsumformen, man kann sie nur relativ schwer bestimmen. Dazu müsste man erstmal den genauen Wirkstoffgehalt des Heroins wissen, der auch bei hohem Reinheitsgrad bei "nur" 20-30% bis über 80% liegen kann. Alles was über der Reinheit von "Straßenheroin" liegt, wird mit der Bezeichnung "hoher Reinheitsgrad" belegt. Gängiges "Straßenheroin" hat je nach Region meist nur einen Wirkstoffgehalt zwischen 5 und 15%. Weiterhin müsste man die geschluckte Menge dann runterrechnen auf einen erwartbaren First-Pass-Effekt. Da dieser jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark sein kann und unter Anderem davon abhängt, mit welchen anderen Substanzen, Medikamenten und Giften die Leber aktuell sonst noch beschäftigt ist, lässt er sich nur schwer genau bestimmen. Zusätzlich müsste man noch genau wissen, wieviel des Wirkstoffs tatsächlich über das Blut im Körper verteilt wird und diese Menge ins Verhältnis zum Körpergewicht des / der Konsumen*in setzen. All diese Faktoren wären nötig, um die genaue Menge bestimmen zu können, ab wann es zu einer Überdosis mit Atemlähmung kommen kann.
Wenn all diese Daten zu Reinheit, Wirkstoffgehalt, körperlichen Voraussetzungen, persönlicher Toleranz usw. fehlen, kann man zu einer Überdosis bei oralem Konsum keine genauen Angaben machen. Da der orale Konsum von Heroin überhaupt sehr selten ist, sind auch die Zahlen der tödlichen Überdosierungen unseres Wissens nach sehr niedrig. Aber auch hier können wir keine genauen Angaben machen.
Ein Heroinkonsum in oraler Form und nur alle paar Wochen ist durchaus als risikoarmer Konsum anzusehen, denn die Gefahr einer Überdosierung ist - wenn auch grundsätzlich nicht ausgeschlossen - am geringsten. Wegen des First-Pass-Effektes wird es über die Darmschleimhaut einfach viel langsamer aufgenommen und "knallt dann nicht so doll rein". Zudem werden noch andere eventuell enthaltene Stoffe, die z.B. als Streckmittel verwendet wurden, durch den First-Pass-Effekt minimiert und es entfällt grundsätzlich das Risiko, sich durch unreines Zieh- und Spritzbesteck mit Krankheiten anzustecken.
Der Konsum von Heroin in Abständen von ein paar Wochen auch nicht körperlich abhängig. Das Risiko einer psychischen Abhängigkeit, auch bei seltenem Heroinkonsum besteht natürlich trotzdem. Daher sollte man gut auf die eigenen Konsumgründe achten, bspw. ob man nur ab und zu zum Spaß oder zur Entspannung konsumiert oder ob man sich ohne den Konsum sonst nicht ausreichend entspannen kann.
Schöne Grüße
Dein Dr.-Frühling-Team
Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre.
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.