Wie hoch ist mein Risiko für Psychose / Schizophrenie?
Wie hoch ist mein Risiko für Psychose / Schizophrenie?
Hallo, also ich (Weiblich, 20) habe gestern erfahren, dass mein Onkel Schizophrene Psychose hat. Da ich gerne (ca. 1-3x die Woche) einen Kiffe, habe ich mich gefragt ob es warscheinlicheit ist, dass es bei mir auch aufgrund der Drogen ausbrechen kann? Dazu sollte ich noch sagen das ich in meinem Leben 3 mal Ecstasy genommen habe und ein mal LSD. Dabei habe ich keine Veränderungen meines Verhlaten feststellen können. Ich würde gerne noch mal LSD nehmen, doch davor möchte ich mir sicher sein, dass mein Onkel keine Auswirkungen auf mich hat.
Hoffe Sie können mir weiter helfen, denn im Internet findet man nichts.
Freue mich auf die Antwort.
Liebe Grüße
Dr.-Frühling-Team:
Hallo,
vielen Dank für Deine Anfrage. Du möchtest gern wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass bei Dir, aufgrund Deines regelmäßigen Cannabiskonsums (1x wöchentlich oder mehr), eine Schizophrenie ausbrechen kann.
Du schreibst, dass Dein Onkel die Diagnose "Schizophrene Psychose" bekommen hat. Grundsätzlich kann man sagen, dass ein leicht höheres Risiko bei Dir besteht, wenn Du eine Person mit der Diagnose Schizophrenie in Deiner Familie hast. Es ist nachgewiesen, dass es eine genetische Vorbelastung für Erscheinungen des schizophrenen Formenkreises gibt. Da er jedoch Dein Onkel ist und kein Elternteil, ist das Risiko für Dich wahrscheinlich etwas geringer. Die familiäre Disposition, also die "Anfälligkeit", psychische Probleme dieser Art vererbt zu bekommen, spielt aber keine ausschließliche Rolle. Zwar bist Du eventuell (!) gefährdeter als andere Personen, die keine Personen mit psychotischen oder schizophrenen Problemem in der Familie haben - das muss jedoch nicht ungedingt etwas heißen. Beim Großteil der Menschen, bei denen psychotische Erscheinungen oder eine schizoprene Symptomatik auftreten, sind keine ähnlichen Fälle in der Familie bekannt.
Du solltest auch wissen, dass das Auftreten psychotischer/schizophrener Symptome nie durch nur einen Faktor allein ausgelöst wird, sondern von vielen Faktoren abhängig ist. Also allein der Umstand, dass Dein Onkel als "schizophren" diagnostiziert wurde, führt bei Dir nicht zwingend zur Manifestation einer Schizophrenie und heißt auch nicht, dass bei Dir die Wahrscheinlichkeit dafür nun automatisch hoch wäre. Selbst wenn bei Dir irgendwann im Leben Erscheinungen auftreten sollten, die man dem psychotischen und/oder schizophrenen Formenkreis zuordnet, kann eine eventuell vorhandene familiäre Disposition nur einer von vielen möglichen Faktoren dafür sein.
Du schreibst, dass Du sehr wenig im Internet darüber gefunden hast. Das könnte daran liegen, dass es in der Forschung bisher nur wenige Erkenntnisse dazu gibt, welche Ursachen allgemein verantwortlich sein können. Außerdem sind die tatsächlichen Ursachen von Mensch zu Mensch und von Fall zu Fall sehr individuell und komplex.
Es existieren jedoch einige Risikofaktoren, die das Auftreten von Psychosen bis hin zu einer Schizophrenie wahrscheinlicher machen:
- Man kann, wie oben schon geschrieben, davon ausgehen, dass die genetische Vorbelastung als ein Risikofaktor gelten kann.
- Auch biochemische Faktoren spielen keine unwichtige Rolle. Neurotransmitter sind im Gehirn für wichtige Stoffwechselvorgänge verantwortlich. Wenn ein Ungleichgewicht dieser Botenstoffe besteht, kommt es zu Störungen in der Informationsverarbeitung im Gehirn und das kann vermutlich dazu führen, dass eine Schizophrenie (natürlich wieder in Kombination mit anderen Faktoren) ausgelöst werden kann. Die meisten Neurowissenschaftler*innen gehen davon aus, dass es sich bei Schizophrenie vor allem um die Neurotransmitter Dopamin und Glutamat handelt, die, wenn sie im Ungleichgewicht sind, zu Störungen der Informationsverarbeitung im Gehirn führen.
- Es können aber auch psychische und soziale Faktoren zum Auftreten der Symptome beitragen. Dazu zählen zum Beispiel belastende Familienereignisse (Trennung, Verlust eines Freundes / einer Freundin oder eines Familienangehörigen, Arbeitsplatzverlust, Ortswechsel usw.), eine belastende familiäre Situation, andere traumatische Erlebnisse oder Stress, Mobbing usw. Wissenschaftlich belegt sind diese Faktoren jedoch nicht. Sie werden lediglich häufig erwähnt, da sie psychotische / schizophrene Symptome verstärken können.
- Cannabiskonsum wird häufig als Risikofaktor für derartige psychische Erscheinungen genannt. Man geht davon aus, dass es Menschen gibt, die "anfälliger" dafür sind und dass deshalb der Konsum von Cannabis bei ihnen bspw. eine latente (also verborgen vorhandene) Psychose zum Vorschein bringen kann. Aber auch dies lässt sich momentan noch nicht wissenschaftlich belegen. Auf dieser Seite findest Du noch mehr zu dem Thema Cannabis und Psychose:
https://hanfverband.de/inhalte/cannabis-wirkung-nebenwirkungen-und-risiken
Wir können also leider keine eindeutigen Aussagen über die Ursachen treffen. Tatsächlich ist es dennoch wichtig zu wissen, dass Du ein höheres Risiko für psychotische Erscheinungen haben KÖNNTEST, weil Du in Deiner Familie jemanden mit der Diagnose "Schizophrenie" hast.
Bedenke aber auch, dass durch den Konsum von Cannabis, besonders bei sehr hohem THC-Gehalt, auch unabhängig einer familiären oder sonstigen Disposition psychotische Symptome ausgelöst werden können (z.B. Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Ich-Störungen). Diese "psychotischen" Zustände können in psychischen Ausnahmesituationen (bspw. nach dem Konsum halluzinogener Drogen, bei Schlafentzug/Übermüdung, bei Angstzuständen, durch traumatische Erlebnisse oder durch enormen Stress) auftreten. Bei den meisten Menschen verschwinden diese Symptome in der Regel aber wieder nach einiger Zeit ohne weitere Behandlung.
Falls solche psychoseähnlichen, angsterfüllten oder wahnhaften Zuständen auftreten, ist es sehr wichtig zu wissen, dass dies normal bzw. üblich ist, dass sowas auftreten kann und dass man sich nicht in die Sorge hineinsteigert, ob man "jetzt verrückt wird". Besser ist, dass man eher versucht sich abzulenken, zu beruhigen, sich mit anderen Leuten darüber zu unterhalten und/oder zu schlafen, denn sonst konzentriert man sich zu sehr darauf und verstärkt es im ungünstigsten Fall. "Angst vor der Angst" nennt man solche Zustände dann auch. Mehr dazu kannst Du in allen möglichen Anfragen nachlesen, die wir in der Dr.-Frühling-Kategorie "Psyche" beantwortet haben:
/de/drfruehling/kategorien/Psyche
Du schreibst noch, dass Du bisher dreimal Ecstasy und einmal LSD konsumiert hast und Dir vorstellen könntest, wieder LSD zu konsumieren. Wir können Dir leider keine Garantie dafür geben, ob es unbedenklich ist, wieder zu konsumieren. An der Aufführung der Risikofaktoren und den fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, kannst Du erkennen wie schwierig es ist, überhaupt Aussagen darüber zu treffen. Wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, ist es natürlich ratsamer vom Konsum abzusehen, aber diese Entscheidung liegt natürlich bei Dir.
Wenn Du irgendwann in Deinem Leben jedoch an einem Punkt sein solltest, wo Du Dich bspw.:
- zu einem LSD-Trip bereit fühlst,
- gelassen bist und glücklich mit Deinem Leben,
- ansonsten nie wirklich Panikattacken oder Angstzustände hattest,
- bei Dir keine starken Stimmungsschwankungen auftreten,
- Du für Dich ausreichend Techniken beherrschst, mit denen Du Dich in belastenden Situationen psychisch beruhigen kannst,
- einen LSD-Trip ordentlich vor- und nachbereitest (Set und Setting) und
- genügend Leute hast, denen Du vertraust, die während des Trips auf Dich aufpassen und das Erlebte hinterher mit Dir auswerten und aufarbeiten,
dann dürfte das Risiko für unangenehme und länger anhaltende psychische Nachwirkungen bei Dir (rein statistisch gesehen) eher gering sein, aber genau weiß man das halt immer erst nach einem "Horrortrip". Drogenkonsum ist halt immer etwas ein "Herumspielen mit der eigenen Psyche".
Hier findest Du noch einen (leider etwas älteren) Link zu einer Studie über den Zusammenhang von Cannabiskonsum und psychischen Störungen:
https://drugscouts.de/de/article/studie-f%C3%BChrt-langzeit-cannabis-konsum-zu-psychosen-oder-umgekehrt
Alles Gute
Dein Dr. Frühling-Team
Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre.
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.