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Von mama63 - Wie kann man so etwas aushalten?

Ich bitte Euch um einen Rat und hoffe, dass mir schnellstens jemand schreibt. Gerade heute (es ist der 21. Juli, der Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige, an dem in 40 Städten in Deutschland an sie gedacht wurde und ich konnte nicht dabei sein, denn ich konnte auf keinen Fall Urlaub nehmen). Als ich morgens auf dem Düsseldorfer Bahnhof ankam, sah ich einen jungen Mann. Er ist schmächtig, hat schwarze hübsche Locken, trägt total verschmutzte Sachen, war verschwitzt und hatte hohle Wangen. Er ging mit einen zerknüllten Plastikbecher herum und bettelte um Geld. Das war gegen 8 Uhr morgens. Als ich abends wieder auf dem Bahnsteig in den Zug steigen wollte (gegen 19 Uhr) sah ich den gleichen Jungen. Er weinte, bettelte verzweifelt (kann man so etwas spielen?) so viele Menschen gingen vorüber. Er rief: Nun kann ich wieder nicht schlafen gehen!" Ich hatte gar kein Geld dabei und fragte ihn, warum er nicht zur Notschlafstelle gehen will. Ich fasste ihn an der Schulter. Sein T-Shirt war schon steif vor Schmutz. Er sagte, dass er dort 7 Euro Schulden habe. Er hätte auch nichts gegessen, 2 Euro hat er heute durch Betteln bekommen, aber das reicht nicht. Ich habe selbst gesehen, wie die Menschen einfach vorüber gingen, es waren Hunderte. Ob irgendjemand außer mir einen Gedanken an sein Schicksal verschwendet? Mir kommen die Tränen vor Wut, ich weiß nicht, was das für ein Elend ist. Wenn er süchtig ist - er ist doch ein Mensch - selbst einen Hund läßt man nicht so herumlaufen, da kommt doch der Tierschutz. Wenn ich Geld dabei gehabt hätte - ich hätte es ihm gegeben. Wäre das falsch? Tiefer kann kein Mensch auf dieser Welt sinken. Er ist ganz unten - und nun, wem nützt das? Ich mußte im Zug weinen und dachte die ganze Zeit an den Song von Phil Colins "Another Day in Paradize." Jetzt ist es abends und es regnet. Ich sitze im Wohnzimmer im Trockenen. Wo und wie wird er die Nacht verbringen? Er ist doch krank, suchtkrank.... Wer ist verantwortlich? Ist der Junge selbst Schuld? Als mein Sohn noch lebte und gerade in Therapie war, gingen wir während eines Ausgangs durch die Bonner Fußgängerzone. Als uns jemand anbettelte sagte er, der selbst abhängig war: Gib ihm nichts! Ich habe Angst um diesen unbekannten jungen Mann. Was soll man tun? Kann nur er sich retten? Er sieht aus, als ob er gar keine Kraft mehr hat. Er ist doch so jung. Was für ein Leben könnte er noch haben!

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